Optometrie

 ...Winkelfehlsichtigkeit

 

Winkelfehlsichtigkeit - was ist das?

Dieser Begriff ist bisher wenig bekannt. Die meisten wissen aber was eine Fehlsichtigkeit ist. Vereinfacht ausgedrückt - der Bildpunkt eines unendlich fernen Objektes befindet sich nicht auf der Netzhaut.
Nur wenn der Bildpunkt eines unendlich fernen Objektes genau auf der Netzhaut liegt, ist das Auge rechtsichtig (Bild 1). Das ist der Idealzustand.
Von Übersichtigkeit (Bild 2) spricht man, wenn der Bildpunkt des unendlich fernen Objektes hinter der Netzhaut entstehen würde. Die Brechkraft des Auges (Hornhaut + Augenlinse) ist zu schwach oder das Auge ist zu kurz. Auf der Netzhaut entsteht ein unscharfes Bild.
Bei Kurzsichtigkeit (Bild 3) befindet sich der Bildpunkt des unendlich fernen Objektes vor der Netzhaut. Die Brechkraft des Auges ist zu stark oder das Auge ist zu lang.
Astigmatismus (Stabsichtigkeit) liegt vor, wenn die Hornhaut verspannt ist.
Wenn irgendwann zwischen 40 und 50 die Arme nicht mehr lang genug zu sein scheinen, dann liegt das an unserer Augenlinse. Sie realisiert durch Krümmungsänderung die Entfernungs-Anpassung und hat jetzt durch Stoffwechselveränderungen so viel Elastizität verloren, dass wir für nahe Distanzen einer zusätzliche Unterstützung bedürfen - Nahbrille, Zweistärkenbrille, Gleitsichtbrille. Dafür gibt es dann auch noch den uncharmanten Begriff Alterssichtigkeit.
Alle die genannten Fehlsichtigkeiten beziehen sich auf das Einzelauge, es sind Brennweitenfehler. Die Statistische Häufigkeit liegt bei ca. 70%.

 

Brennweitenfehler

Nun haben wir aber zwei Augen, wobei das zweite nicht nur ein Ersatzauge ist. Erst durch das ideale Zusammenspiel beider Augen sind wir in der Lage Raumtiefen, Entfernungen, Bewegungsabläufe schnell und präzise wahrzunehmen, stereoskopisch (räumlich) zu sehen. Dies gelingt aber nur dann optimal, wenn die Augen exakt auf das angeschaute Objekt ausgerichtet sind. Stimmt die Ausrichtung nicht genau, liegt eine sogenannte Winkelfehlsichtigkeit vor. Auch diese tritt mit einer statistischen Häufigkeit von ca. 70% auf.

Winkelfehlsichtigkeit

Zum Beispiel möchten die Augen bei einer Eso-Stellung etwas nach innen stehen, obwohl ein unendlich fernes Objekt angeschaut wird, was eine Parallelstellung verlangt. Jetzt greift das Gehirn ein und zwingt die Augen, sich ordentlich auszurichten, weil sonst Doppelbilder entstehen würden. Genau so wie der Kutscher die Pferde zügelt, wenn sie nicht von sich aus ordentlich in die gleiche Richtung ziehen wollen.

Im Gegensatz zum sichtbaren Schielen wird bei der Winkelfehlsichtigkeit eine Augenfehlstellung nicht erkannt. Der Winkelfehlsichtige kann seinen Winkelfehler kompensieren. Aber diese Kompensation erhöht den Energieumsatz der fein organisierten und sehr präzise arbeitenden Augenbewegungsmuskulatur unter Umständen erheblich und kann zu Anstrengungsbeschwerden führen. Außerdem kommt es später nicht selten zu fehlerhaften Veränderungen in der höheren Reizverarbeitung mit recht typischen Sehbeschwerden.

 

Beide - Brennweitenfehler und Winkelfehler -

  • sind nicht krankhaft, sondern physiologische Abweichungen vom Idealzustand.
  • Einstellungen sind innerhalb eines bestimmten Spielraumes miteinander gekoppelt.
  • Fehler lassen sich optisch korrigieren, was dann angezeigt ist, wenn Beschwerden auftreten und diese durch die Korrektion abgeschwächt oder abgestellt werden können.

Häufige Beschwerden bei Winkelfehlsichtigkeit:

  • Anstrengungsgefühl, schnelle Ermüdung bei Nahtätigkeit oder beim Autofahren
  • Konzentrationsprobleme, langsames Lesen
  • Probleme beim sinnentnehmenden Lesen (Kinder)
  • Druck in Augennähe, trockene oder tränende Augen
  • Kopfschmerz bis hin zu Migräne
  • kompensatorische (schiefe) Kopfhaltung
  • bei Abgespanntheit mitunter kurzes Auseinanderlaufen der Bilder
  • erhöhte Licht- und Blendempfindlichkeit
  • falsche oder verzögerte stereoskopische Richtungswahrnehmung (Danebengreifen)

Von der Intensität der Beschwerden lässt sich nicht direkt auf die Höhe der Winkelfehlsichtigkeit schließen. Die Kompensationskraft ist individuell sehr unterschiedlich. Bei der Messung lassen sich aber Rückschlüsse ziehen. Das Auftreten der Beschwerden ist auch von der körperlichen Verfassung, dem Alter und der Sehbelastung abhängig.

Bei Kindern sind Auffälligkeiten sehr differenziert. Die möglichst rechtzeitige Abklärung und ggf. Korrektion ist besonders wichtig, weil sich das Sehen entwickelt. Es ist ein sehr sensibler Prozess aus einer Wechselwirkung von sinnesphysiologischen Steuerungs- und Lernprozessen, die an bestimmte Zeiten (Prägungsphasen) recht eng gekoppelt sind. Treten in solchen Prägungsphasen Defizite auf, kann das schnell ernste Konsequenzen für die weitere Entwicklung nach sich ziehen, die später nur sehr schwer und oft nicht mehr vollständig behebbar sind. Dazu mehr unter www.ivbv.org.

Die zur Korrektion einer Winkelfehlsichtigkeit erforderlichen Spezialgläser haben bei der optischen Industrie einen Anteil von ca. 1 bis 2%. Das liegt u.a. daran, dass sich immer noch viel zu wenige Fachleute intensiv diesem Thema widmen.

Der tatsächliche Anteil der Korrektionsbedürftigkeit dürfte bei ca. 10 bis 20% liegen.

 

Wie korrigiert man Winkelfehlsichtigkeit?

Der Sehvorgang ist sehr komplex. Die zwei wichtigsten Systeme, Brennweiten- und Winkel-Einstellung sind in bestimmten Grenzen miteinander gekoppelt. Deshalb ist es wichtig, bei der Augenprüfung beide Systeme gleichwertig und möglichst vollständig zu erfassen. Das ist eine entscheidende und logische Erkenntnis, die erstmals konsequent mit dem Mess- und Korrektionsverfahren nach Hans-Joachim Haase (MKH, früher Polatestverfahren) praktisch umgesetzt wurde.
Dabei bestätigte sich ein allgemeines Gesetz der Natur:"...dass physikalische Systeme sich ihren Zustand mit der niedrigsten Energie aussuchen" (Davies, Paul: Die Urkraft 1987).
Das Mess- und Korrektionsverfahren nach Hans-Joachim Haase zielt korrektiv auf diese Ruhezustände - für anstrengungsärmstes Sehen in allen Sehentfernungen. So bleibt die ganze Kraft den dynamischen Sehaufgaben vorbehalten und wird nicht durch statische unphysiologische Halteleistungen teilweise verbraucht.
Diese Messung und ggf. Korrektion erfordert Zeit, weil Verspannungen im System nicht spontan lösbar und Fehler in der höheren Reizverarbeitung u.U. nicht sofort reversibel sind.
Seit über 25 Jahren sind wir von der Wirksamkeit und Zuverlässigkeit dieser Messmethodik und der Korrektionen beeindruckt.

 

Contactlinsen-Institut Ecke, Königstr. 29, 01097 Dresden, Tel. 0351 / 80 41 208
Ing. paed. Ch. Ecke, Optometrist, www.contact-linsen.de

 
 
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