Orthokeratologie

Viele Fehlsichtige wünschen sich eine gute Sicht ohne Sehhilfe. Orthokeratologie macht es möglich, ganz ohne Operation. Schon die Chinesen legten nachts kleine Sandsäckchen auf ihre Augen, um durch den Druck auf die Hornhaut ihre Kurzsichtigkeit zu korrigieren. Wirklich erfolgreich konnte man erst in den 1980er Jahren spezielle Kontaktlinsen fertigen, welche die Hornhautform gezielt verändern. Seither wird die Orthokeratologie in Asien und den USA erfolgreich eingesetzt und stetig optimiert. Seit 2003 sind Orthokeratologie-Kontaklinsen auch in Deutschland zugelassen.

» So funktionieren Orthokeratologie-Linsen

Orthokeratologie-Kontaktlinsen werden nachts bei geschlossenem Auge getragen. Die Tränenschicht unter der Kontaktlinse übt eine gezielte hydrostatische Wirkung auf die Hornhaut aus. Dadurch wird das Hornhaut-Zentrum flacher und die Kurzsichtigkeit des Auges wird korrigiert.

Diese Speziallinsen gleichen - sozusagen im Schlaf - leichte bis mittlere Kurzsichtigkeiten aus. Wenn Sie die Kontaktlinsen regelmäßig nachts tragen, können Sie tagsüber stabil sehen. Der Effekt hält für mindestens 16 Stunden an. Tagsüber wird dann keine Sehhilfe mehr benötigt. Gut bewährt hat sich dieses Verfahren auch bei eingeschränktem Tragekomfort mit herkömmlichen Kontaktlinsen in trockener Umgebung, beispielsweise am Büroarbeitsplatz oder in klimatisierten Räumen. 

Außerdem ist Orthokeratologie eine erfolgversprechende Versorgung zur Vorbeugung fortschreitender Kurzsichtigkeit. 

 

Ob Orthokeratologie für Sie geeignet ist, kann nur in einer ausführlichen Untersuchung in unserem Kontaktlinsen-Institut festgestellt werden. Orthokeratologie ist die schonende, sichere und vollständig reversible Alternative zu einer Laser- oder Lasik-Operation. Sobald Sie diese Spezialinsen nicht mehr tragen, nimmt die Hornhaut wieder ihre ursprüngliche Form an.

» Kurzsichtigkeit

Fortschreitende Kurzsichtigkeit (Myopie) ist zunehmend ein Problem für viele Kinder und Jugendliche. Die Schwierigkeit, in der Ferne (ohne Sehhilfe) immer schlechter sehen zu können, beschränkt sie bei ihren täglichen Aktivitäten, z.B. in der Schule, in der Ausbildung und beim Sport.

Zusätzlich ist eine höhere Kurzsichtigkeit auch ein Risikofaktor für Augenerkrankungen mit zunehmendem Lebensalter. Aus diesem Grund gab es schon immer ein Interesse, den Verlauf der ansteigenden (progressiven) Kurzsichtigkeit positiv zu beeinflussen.

Im Rahmen klinischer Studien und praktischer Arbeiten innerhalb der letzten Jahre konnten spannende Erkenntnisse gewonnen werden, wie wir mit Hilfe spezieller Kontaktlinsen die Kurzsichtigkeitszunahme verlangsamen können.

» Kontaktlinsen zur Kontrolle der Kurzsichtigkeit

Besonders im asiatischen Raum ist eine  Zunahme der Myopie bei Kindern und Jugendlichen festzustellen. Aber auch in den westlichen Ländern nimmt der Anteil myoper Augen zu.  In den USA stieg der Anteil der Myopie von 1972 bis 2004 von 25% auf 41% (Scheffel , 2012).
Heute geht man davon aus, dass sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse für die Entstehung der Myopie verantwortlich sind. So liegt z.B. das Myopierisiko für ein Kind von myopen Eltern bei  30-40%, wenn ein Elternteil myop ist bei 20-25%, absolut bei 10-15% (Scheffel, 2002).  Aber auch zunehmende Naharbeit, der Umgang mit Smartphones, Tablets und Videospielen (Aller, 2014), ebenso ein zu kurzer Leseabstand (Scheffel, 2012), stellen Risikofaktoren dar.  Auch der Einfluss des Vitamins Dopamin im Körper wird in der Wissenschaft diskutiert. Dopamin wird verstärkt durch Sonneneinwirkung gebildet und hat wahrscheinlich eine hemmende Wirkung auf das Längenwachstum des Auges. Halten sich Kinder überwiegend in weniger hellen bzw. abgedunkelten Räumen auf, wird weniger Dopamin gebildet und die Myopie steigt an.
Seit vielen Jahren wird intensiv geforscht, um Lösungen zu finden, die ein Fortschreiten der Myopie verlangsamen oder gar verhindern können.  Dabei haben sich 2 Lösungsansätze herauskristallisiert:
Eine Möglichkeit besteht in der Anpassung von Orthokeratologie-Linsen. Die Viskoelastizität der Hornhaut macht es möglich, durch diese Linsenkorrektur Myopien bis ca. 5 dpt nachts so zu korrigieren, dass am Folgetag keine Sehhilfe mehr getragen werden muss. Außerdem belegen mehrere Studien (1), dass es durch die Orthokeratologie sowohl zu einer signifikanten Verringerung der Myopieprogression, als auch zu einer Verringerung des Augenlängenwachstums gegenüber der Vergleichsgruppe kam, die mit Einstärkenlinsen bzw. –Brillen korrigiert wurde. Die Myopieprogression verringerte sich zwischen 30-56%.
Ähnlich positive Ergebnisse erreichte man mit weichen und formstabilen Multifokallinsen (20-50% Progressionsreduktion (2)), die eigentlich für die Korrektion von Presbyopie (Alterssichtigkeit) eingesetzt werden. Allerdings nur mit jenen, die zentral negativer als parazentral wirken, was den Wirkungseffekt der Orthokeratologie-Linsen nachempfindet, also eine aktiv induzierte parafoveale Myopie, von der man annimmt, dass sie eine hemmende Wirkung auf die Myopieprogression hat.
Da eine Myopie ab 6 dpt schon als pathologisch klassifiziert wird, weil bereits krankhafte dehnungsbedingte Veränderungen am Auge auftreten können, ist die rechtzeitige Myopieprophylaxe, die mit der Aufklärung beginnt und so zeitig wie möglich einsetzen sollte, von immenser Bedeutung! Oft zeigt sich die Myopie mit Beginn des Schuleintritts. Das betreffende Kind muss nach vorn gesetzt werden, weil es die Schrift an der Tafel nicht erkennt. Müssen die Brillenstärken in rel. kurzen Zeitabständen verstärkt werden, ist von einer progressiven Myopie auszugehen.
Unsere langjährigen Erfahrungen, insbesondere mit  Multifokallinsen, sind sehr gut und bestätigen oben genannte Studienergebnisse.

1 Cho et al.,2005/Walline et al., 2009/Kakita et al., 20011/Hiraoka et al., 2012/Santadomingo-Rubido et al., 2012/Cho and Cheung, 2012
2 Walline; Greiner; McVey; Jones-Jordan, 2013